Zur Erinnerung an Hajo

Meine intensive Zeit mit Hajo begann am 22.9.1991 und dauerte bis zu seinem Tod am 11.2.2009.

Wie alles begann:
Durch meine Magisterarbeit über Elisabeth Kübler-Ross kam ich zum Tarot – die Sterbeforscherin hatte sich nach ihrem Studium intensiv mit Tarot beschäftigt, weil sie nach all der Zeit des logischen Denkens wieder Zugang zur Bilderwelt brauchte. Mir erging es ähnlich. Nach dem Uniabschluss im August 1991 erinnerte ich mich plötzlich an diese Aussage. Als ich wenige Tage später von meiner Tante Waites Bilderschlüssel zum Tarot mit den Rider-Waite-Karten geschenkt bekam, und am gleichen Tag eine Schulfreundin anrief, sie habe sich in einen Tarotmeister aus München verliebt, ich solle ihn mir doch mal anschauen, verstand ich das als Wink des Schicksals – dreimal in einer Woche Tarot. Ich rief den Tarot-Experten an, um einen Kurs zu belegen. Es handelte sich um Hajo Banzhaf.

So wählte ich zum ersten Mal die 98 42 12, nicht ahnend, dass diese Nummer die meistgewählte in den kommenden 18 Jahren sein würde. Hajo sagte, dass der nächste Tarotkurs erst im November stattfinden würde, er aber im September einen Kurs über die Mythologie des Sternenhimmels auf der Insel Elba geben würde. Und ob das nun die Mythologie auf den Karten sei oder über die Sterne, wäre eigentlich egal. Typisch Hajo: pragmatisch und flexibel.

Ich bat Hajo, ihn vorab kennenlernen zu dürfen. Er lud mich daher zu seinem Vortrag „Die Reise des Helden“ ein, den er in seiner Stammbuchhandlung, der Esoterischen Fachbuchhandlung in München, Anfang September 1991 hielt. Dieser Vortrag war für mich die Initialzündung für Tarot. Damals wusste ich noch nicht, dass ich selbst viele Jahre später in dieser Buchhandlung im Rahmen meines Tarot-Unterrichts mit Hajos Power-Point über die Reise des Helden sprechen würde.

Hajo hatte zwei Plakate dabei, eines mit allen abgebildeten Rider-Waite-Karten und das andere mit den Crowley-Karten. Ich fragte ihn, wo ich sie beziehen könnte – spontan schenkte er mir die Poster. Seine Großzügigkeit und Freigiebigkeit waren legendär. Ich sollte noch oft davon profitieren.

Wenig später packte ich die Koffer für Elba. Die Kursteilnehmer wünschten sich plötzlich alle Astrologie, so beschloss Hajo vor Ort umzuplanen und über die Mythologie des Sternenhimmels abends am Strand zu erzählen – mit Käse und Wein. Dabei las er aus dem Buch Die 7 Prinzessinnen vor. Vormittags lernten wir dann ganz spontan Astrologie. Bevor ich mich auf dieses Abenteuer einließ, bat ich ihn am Strand, mir mein Horoskop zu deuten. Hajo las Dinge aus dem Radix, die er nicht wissen konnte. Auch hier fing ich sofort Feuer. Ich sagte ihm, dass ich ALLES über die Astrologie lernen will. Es folgten zwei überaus spannende Wochen auf Elba mit Astrologie, Mythologie, Lernen, Lesen, Schwimmen, ausgezeichnetem Essen, u.a. in einem Lokal namens Lo Zodiaco (der Tierkreis), und vielen Gesprächen.

Zurück in München bot Hajo mir an, ihn bei seinen Kursvorbereitungen zu unterstützen. So begannen unsere fruchtbare Arbeitsbeziehung und eine tiefe Freundschaft. Ich erhielt die Wohnungsschlüssel, hatte Zugang zu seiner Bibliothek, seinen Tarotkarten, studierte Horoskope, lernte die Karten kennen, konnte alles fragen – für mich war das ein Eldorado. Ich hatte mit 33 Jahren endlich meine Berufung gefunden. Hajo meinte, ich solle alles gut lernen, dann könne ich schon bald seine Bücher lektorieren. Und so war es. Hajo öffnete mir Tür und Tor in die Astrologie und Tarotwelt. Ich begann für bekannte Astrologen und Tarotleute zu lektorieren, ich wurde Teil eines großen Netzwerks, das bis heute besteht.

1992 bat ich ihn, eine Schule zu eröffnen. Sonst wäre ich gezwungen ins Ausland zu fahren, um weiter zu lernen. Er sagte, dass er dazu einen Experten bräuchte, mit dem er das gemeinsam aufziehen würde. 1993 lernte er dann die Schweizer Astrologin Brigitte Theler kennen. Die beiden wurden ein äußerst charismatisches Paar und gründeten zwei Jahre später die „Astrologie und Tarotschule München“. Ich nahm an den Unterrichtsstunden teil und organisierte alles mit.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass auch Brigitte heuer einen runden Geburtstag gefeiert hätte: Sie wäre 60 geworden.

Bei einem Frühstück in der legendären Mauerkircherstraße schlug ich vor, Gastreferenten einzuladen. Die beiden griffen das auf. Zu den ersten zählten Karen HamakerZondag, Markus Jehle und Verena Bachmann. Sie kommen noch heute an die Schule. Es begann eine sehr erfolgreiche Zeit. Wir erlebten eine Jupiterfülle ohnegleichen. Hajos Website hatte 22000 Klicks am Tag, seine Vorträge und Kurse waren voll. Sein „Bauchladen“, wie er seinen Shop liebevoll nannte, florierte. Hajo organisierte Kunstführungen für seinen Freundeskreis, wir tauchten ein in die Bilderwelt der Museen, diskutierten über die Kunstwerke, stellten Parallelen zu Tarot, Astrologie und den Mythen her. Wir besuchten Vorträge bei Leo Maria Giani, einem Philosophen, den Hajo sehr schätzte. Einmal im Jahr fuhren wir gemeinsam nach Rahden zu einem Seminarhaus im Moor und verbrachten dort Tarot-Tage mit vielen Teilnehmern.

Niemand von uns ahnte, dass diese erfolgreiche und heitere Zeit ein jähes Ende nehmen würde, und dass unsere Freundschaft zu einer Art Schicksalsgemeinschaft werden sollte. Anfang Februar 2007 rief mich Hajo mit den Worten an: „Der Himmel hat sich verdunkelt. Brigitte ist todkrank. Kannst Du alles stehen und liegen lassen und uns helfen?“ Es begannen Monate der Hoffnung und Verzweiflung. Brigitte wurde operiert, es gab Fortschritte und Rückschläge, das Jahr 2007 glich einer Achterbahnfahrt. Ich kümmerte mich um die Organisation der Schule, um Hajo den Rücken freizuhalten für die Pflege von Brigitte. Siegrid Rogge war rund um die Uhr für Brigitte da. Carola Lauber und Susanne Zitzl unterstützten Hajo beim Tarot-Unterricht, Christl Oelmann bei der Astrologie. Ein letztes Mal fuhren wir im Sommer nach Rahden. Zu dritt ließen wir die vergangenen Jahre Revue passieren, erinnerten uns an all die schönen, lustigen und auch traurigen Momente.

Als Brigitte am 13. Dezember starb, nahm sich Hajo ein Trauerjahr. So leidenschaftlich, wie er sich immer für Tarot und Astrologie eingesetzt hatte, so hingebungsvoll hatte er für Brigitte gesorgt und hierfür sein bisheriges Leben aufgegeben. Nun schottete er sich ab, schrieb sein Lebenswerk „Zwischen Himmel und Erde“. Wir trafen uns oft in dieser Zeit. Wir besuchten Vorträge, sprachen über Leben und Tod, die Vergangenheit mit Brigitte und die zukünftigen Pläne von Hajo. Er plante neue Bücher und einen erweiterten Unterricht. An meinem 50. Geburtstag, am 21. April 2008, lud ich ihn und andere Freunde zum Abendessen ein. Zum ersten Mal sah ich Hajo wieder richtig lachen. Allmählich ging es bergauf, die Trauer um Brigitte war allgegenwärtig, doch es gab wieder fröhliche Momente.

Im Herbst wurde bei Hajo ein Aneurysma im Kopf diagnostiziert. Ich sagte ihm, dass wir auch das gemeinsam durchstehen werden. Das Aneurysma drohte jederzeit zu platzen, es bestand permanente Lebensgefahr. Eine OP schien zunächst nicht möglich. Hajo wollte sich hypnotisieren lassen, um besser mit der ständigen Angst umzugehen. Irgendwann kam sein Arzt mit der Nachricht, dass er nun doch einen Eingriff wagen würde, dem weitere folgen sollten. Wie alle wissen, starb er einen Tag nach der 1.OP.

Alles, was Hajo initiiert hat, war erfolgreich und trägt auch nach seinem Tod Früchte: Der Tarotverband. Seine Bücher und Artikel. Die Zusammenarbeit mit Zukunftsblick. Die Astrologie und Tarotschule München. Er hatte einen visionären Geist, griff die Strömungen der Zeit auf, war klug und außerdem ein Menschenfreund. Er hatte die Gabe, andere zu begeistern, und er erkannte die Potenziale, die in den Menschen steckten und förderte sie. Das kam auch mir zugute.

Wie es weiterging:
Ich bin nun Inhaberin und Referentin der Astrologie- und Tarotschule München. Die Familien Banzhaf & Theler haben mir hierzu die Namensrechte von Hajo und Brigitte überlassen, sodass auf den Ausbildungszertifikaten der Name der beiden steht. Auch das Unterrichtsmaterial darf ich verwenden. So ist gewährleistet, dass die Lehre und Philosophie von Hajo und Brigitte weitergetragen wird. Das erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit.

Noch heute, zehn Jahre nach seinem Tod, rufen mich Menschen an, um über Hajo zu sprechen. Viele kommen an die Schule, weil sie in der Tradition von Hajo steht. Während ich diesen Artikel schrieb, gab es zwei aufeinanderfolgende Anrufe mit dem gleichen Thema: Ein Gespräch über Hajo, sein Wirken und das Interesse an den Tarotkursen.

Wenn das kein Zeichen ist – Hajo ist noch immer präsent!

Mehr Informationen, Bilder und Erinnerungen zu Hajo Banzhaf & Brigitte Theler erhalten Sie auf www.hajobanzhaf.de

 


Zertifikate

Zertifikate der Grundausbildungen tragen neben dem Namen der Astrologie- und Tarotschule München | Sabine Lechleuthner auch den Hinweis auf Hajo Banzhaf & Brigitte Theler. Für alle, die Astrologie und Tarot beruflich anwenden wollen, ist das ein Qualitätsmerkmal.