Publikationen


Sabine Lechleuthner

Fallbeispiel Astrologie


Horoskop von Maria (Name geändert)
3.1.1975, 8.10, München
Placidus Häusersystem
Deutung aus dem Jahr 2015

Bin ich in Lebensgefahr? möchte Maria wissen, nachdem sie 2 x kurz hintereinander vom Tod geträumt hat.

Frage:
Im ersten Traum wurde Maria von einer Schlange gebissen, sie erlebte sich in einem Kampf um Leben und Tod, das Gegengift war zwar unterwegs, aber noch nicht eingetroffen. In Panik erwachte sie. Als sie wieder einschlief, nahm der folgende Traum offenbar den Faden wieder auf – sie sah sich tot in einem Sarg liegen, worüber sie furchtbar erschrak. Durch eine Traumbesprechung und eine astrologische Beratung erhofft sie sich Aufklärung, ob ihr Leben in Gefahr sei, oder ob sich „nur“ eine wichtige Botschaft hinter der nächtlichen Szenerie verbirgt.

Hintergrund der Fragerin:
Maria ist verheiratet. Ihr Mann ist wesentlich älter und arbeitet nur noch sporadisch selbstständig. Haushalt ist für ihn tabu. Maria arbeitete bisher ganztags in einer Firma, managt zusätzlich Familie und Haushalt. Die beiden Kinder sind noch in der Ausbildung. Nun hat sie vor Kurzem ihre Stelle verloren. Sie hat sich bisher sehr stark über die Arbeit definiert. Sie ist das Rückgrat der Familie und sieht sich nun plötzlich der neuen Situation ausgeliefert. Es plagen sie außerdem Existenzängste. Sie wagt es aber nicht, ihren Mann aufzufordern mitzuhelfen – ob durch bezahlte Arbeit oder im Haushalt.

Interpretation:
Zunächst einmal erkläre ich Maria, dass man aus dem Horoskop eines Menschen den Tod nicht erkennen kann. Bezüglich des Traumgeschehens kann ich sie ebenfalls beruhigen: Sehr viele Menschen träumen vom eigenen Tod, das verweist in den allermeisten Fällen auf die Tatsache, dass bestimmte Persönlichkeitsanteile nicht gelebt werden oder dass alte Strukturen neuen weichen sollten. Somit sind diese Träume Chancen und nicht Hinweis für ein baldiges Ableben.
Aus dem Horoskop und seinen Transiten zum Zeitpunkt der Träume (17. und 18.1.2015) ist allerdings Interessantes abzulesen.

Horoskop:
Maria ist Steinbock mit Aszendent Steinbock. Auffallend ist, dass ihre Sonne genau auf dem AC liegt. Gegenüber am DC befindet sich ein rückläufiger Saturn, Saturn ist Herrscher von Steinbock. Im 1. Haus, ebenfalls im Steinbockzeichen, stehen Merkur und Venus, beide bilden ein Trigon zum Jungfraumond im 8. Haus.
Hier wird eine sehr starke Erdbetonung sichtbar, die Maria jede Herausforderung annehmen lässt, die aber auch Schwierigkeiten bereitet, wenn es um Veränderungen geht. Ein gewisses Sicherheits- und Strukturdenken nimmt hier viel Raum ein. Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein sind Werte, die Maria – wie sie selbst sagt - auszeichnen. Sie braucht immer sehr lange, bis sie Altes aufgeben und Neues zulassen kann. Solche Prozesse sind bei Maria mit starken Ängsten verbunden.

Beide Lichter haben Plutobezug, der Mond befindet sich im 8. Haus, das dem „Gott der Unterwelt“ gehört. Hier geht es um tiefe, innere Prozesse des Stirb und Werde. Auch wenn im Zeichen Jungfrau die Einsicht vorhanden ist, dass es nützlich ist und zum Leben gehört, immer wieder Erneuerungen vorzunehmen, so verängstigt die Radikalität des 8. Hauses doch den Mond. Die Sonne bildet ein Quadrat zu Pluto, der sich, ebenfalls in 8, in seinem eigenen Haus befindet. Damit ist auch sie aufgefordert, sich immer wieder neu zu definieren und neu aufzutreten. Keine leichte Aufgabe für diese Steinbockbetonung.

Transite:
Sie wurden zum ungefähren Zeitpunkt der Träume am Morgen des 18. Januar 2015 berechnet. Auf den ersten Blick fällt auf, dass Pluto sich gerade auf dem Aszendenten und der Sonne bewegt. Gleichzeitig bildet Uranus ein Quadrat zur Ich – Du-Achse (AC-DC). Der laufende Mond, der ebenfalls auf den AC zusteuert, löst das Pluto-Uranus-Quadrat aus – aber nicht nur das, als Schnellläufer hat er in der Traumnacht ein Quadrat zum Radixpluto gebildet und bewegt sich nun direkt auf Merkur (Herr von 8) zu. In Kürze wird ein Trigon zum eigenen Mond (in Haus 8) zustande kommen. Auch der Radixsaturn im 7. Haus ist von all diesen Transiten betroffen. Zu erwähnen sei, dass er im Krebs steht, also auch Mondbezug hat.

Ein Traum vom Schlangenbiss und dem inneren Kampf auf Leben und Tod ist hier beinahe klassisch. Nimmt ein Tier mit dem Träumer Kontakt auf, auch durch einen Biss, dann will es wahrgenommen werden. Die Schlange steht für Transformation, denn sie häutet sich regelmäßig. Sie erneuert die Haut, und damit die ganze Erscheinungsform, und das macht Pluto am Aszendenten auch. Er bricht alte Strukturen auf, hier gleich doppelt und dreifach (AC und Sonne in Steinbock und Saturn gegenüber), und fordert eine authentische Persönlichkeit, keine, die sich zu sehr durch Normen und Regeln einzwängen lässt oder sich nur für andere engagiert. Wie existentiell diese Struktursprengung ist, zeigt die Kampfszene im Traum: Es geht um Leben und Tod. Uranus, der ebenfalls mit im Spiel ist (er transitiert Ende 2 /Anfang 3 und kommt aus 9), trägt zu der Sprengung bei, er kann den Durchbruch bringen in Form einer neuen Haltung und Selbstbewertung. Möglicherweise liefert er das „Gegengift“, das ja letztlich besagt, dass Maria Hilfe bekommt, um zu überleben.

Im anschließenden Traum sieht sich Maria tot im Sarg lieben – ein Traumbild, das übrigens sehr häufig auftaucht. Es verweist darauf, dass vieles unlebendig geworden ist, dass aber auch Persönlichkeitsanteile, die bisher nicht gelebt wurden, auf Erweckung warten. Durch die ständige Arbeit im Job und zu Hause, liegen viele Seiten von Maria brach. Nicht nur der Spaßfaktor kommt eindeutig überall zu kurz. Sie fühlt sich nach eigenen Angaben häufig freudlos und überarbeitet. So hält sie zwar den Status quo aufrecht, doch es reicht nicht für mehr. Auch der Wunsch nach Horizonterweiterung, der Aufbruch zu neuen Ufern, der in Marias Geburtshoroskop gut zu erkennen ist, ist in Marias jetzigem Leben und mit der bisherigen Einstellung nicht zu verwirklichen.

Plutotransite über die Sonne verlangen häufig auch eine Auseinandersetzung mit dem Vaterbild. Maria gibt an, dass der Vater sehr viel Leistung verlangte von seiner Frau und seinen Kindern. Er selbst „ließ lieber arbeiten“. Die momentane Lebenssituation von Maria ist nicht unähnlich wie die ihrer Kindheit.

Anderen helfen und in Not beistehen, ist für Maria eine Tugend. Jupiter in Fische im 2. Haus lässt das erkennen. Dahinter verbirgt sich auch viel Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft. Jupiter bekommt gerade Besuch von Chiron, und Neptun ist ebenfalls im Haus der Werte unterwegs. Zu viel Nächstenliebe und Aufopferung und zu wenig Abgrenzung haben nun womöglich ihren Preis. Dadurch wird eine Neudefinition ihres Selbstwerts fällig. Dieser ist häufig auch an die Finanzen gekoppelt. Maria sollte mehr an sich selbst denken, sich auch einmal verwöhnen, Grenzen ziehen und nicht nur für andere „schuften“.

Der laufende Jupiter durchs Partnerschaftshaus unterstützt Maria sich in einer Auseinandersetzung mit ihrem Mann mehr Freiraum zu verschaffen, den sie mit Lilith im Wassermann (Radix) und einem weiten Uranusquadrat zur Venus (im Radix) braucht. Damit einhergehend kann sie sicherlich auch die Beziehung beleben.

Fazit: Die Träume Marias geben an, dass eine seelische Transformation dringend ansteht, sonst kann Maria ihr Leben nicht wirklich genießen und ausschöpfen. Die Transite haben den Prozess in Gang gesetzt und helfen ihr, alte Elternmuster abzulegen, sich neu zu erkennen und zu definieren. Das verlangt auch eine Neuausrichtung ihrer Partnerschaft, die auf dem alten Konzept basiert. Es stimmt hoffnungsvoll, dass der Traum die Botschaft bringt: „Das Gegengift ist unterwegs“. Maria hat gute Chancen ihr Leben neu und lebendiger zu gestalten. Ihr Partner täte gut daran, diese Entwicklung nicht zu behindern. Pluto, Uranus und Jupiter sind derzeit mächtige Helfer seiner Frau.

Sabine Lechleuthner


Zertifikate

Zertifikate der Grundausbildungen tragen neben dem Namen der Astrologie- und Tarotschule München | Sabine Lechleuthner auch den Hinweis auf Hajo Banzhaf & Brigitte Theler. Für alle, die Astrologie und Tarot beruflich anwenden wollen, ist das ein Qualitätsmerkmal.