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Sabine Lechleuthner
Tarotkarten – Fenster zur Seele oder Hokuspokus?
Teil 1.
In Folge 2 lesen Sie, wie das Kartenlegen funktioniert anhand eines Fallbeispiels.
Tarotkarten faszinieren Menschen seit Jahrhunderten. Sie sind geheimnisvoll und laden dazu ein, tiefer zu blicken – nicht unbedingt in die Zukunft, sondern in sich selbst.
Aber was genau kann man eigentlich mit Tarotkarten machen? Und genauso wichtig: Wozu sollte man sie lieber nicht nutzen?
Was man mit Tarotkarten machen kann
Selbstreflexion und persönliche Erkenntnisse
Die vielleicht stärkste Kraft der Tarotkarten liegt in ihrer Fähigkeit, Gedanken zu strukturieren und neue Perspektiven zu eröffnen. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer Entscheidung: Kündigen oder bleiben?Weitermachen oder loslassen? Wenn man sich selbst unsicher ist, ein Gedankenkarussell im Kopf hat, kann eine Tarotlegung helfen, den eigenen Standpunkt besser zu erkennen.

Man zieht z.B. die Karte „Der Gehängte“.
Sie steht für Stillstand, Perspektivwechsel oder ein Opfer bringen. Sie regt an, zu fragen: Wo hänge ich gerade fest? Was muss ich loslassen, um weiterzukommen? Sollte ich die Sache mal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten?
Kreative Prozesse anregen
Viele Menschen nutzen Tarotkarten, um sich inspirieren zu lassen. Die Bildersprache, die Archetypen und die Symbolik regen die Fantasie an und helfen dadurch kreative Blockaden zu überwinden.

Zieht Man die Karte „Der Turm“ könnte das etwa der Auslöser sein, sich über Zusammenbruch oder Durchbruch, Neuaufbau in einer Sache Gedanken zu machen.
Gespräche vertiefen
Tarot eignet sich auch hervorragend für Gespräche mit Freunden. Angeregt durch die Karten lassen sich gemeinsam neue Sichtweisen und Lösungen für ein Thema finden. Vor allem auch in Beratungssituationen sind die Karten äußerst hilfreich. Im geschützten Rahmen helfen sie Themen sichtbar zu machen und zu benennen, die oft im Unbewussten schlummern und schwer greifbar sind. Über die Bilder werden sie sichtbar.
Intuition stärken
Über Tarot trainiert man seine Intuition. Die Karten helfen dabei, sich auf die innere Stimme zu konzentrieren, besonders wenn der Verstand gerade überhandnimmt.
Was man mit Tarotkarten nicht machen sollte
Tarot ist kein Orakel mit Garantie.
Viele glauben, dass man mit den Tarotkarten die Zukunft exakt vorhersagen kann. Sie können sehr gut Tendenzen aufzeigen, innere Muster sichtbar machen, mögliche Entwicklungen anzeigen. Aber sie sind kein hellsichtiger Blick in ein festgeschriebenes Schicksal.

Das Leben ist dynamisch. Wer heute die Karte „Die Liebenden zieht, ist nichtzwangsläufig morgen verliebt oder in einer neuen Beziehung.
Keine Entscheidungen abgeben
Tarot dient zur Entscheidungsfindung, übernimmt aber keine Entscheidung. Es ist zwar verlockend, Verantwortung an die Karten abzugeben. Doch ob man kündigt, heiratet oder umzieht: Die Karten zeigen Tendenzen, geben Impulse - den letzten Schritt aber vollzieht der Fragende selbst. Schon Hajo Banzhaf machte darauf aufmerksam: „Die Karten sind ein guter Diener, aber ein schlechter Herr“.
Tarot ersetzt keine Therapie
Bei ernsthaften psychischen Problemen, Traumata oder Depressionen, sollte man nicht mit Tarotkarten arbeiten. Die Bilder und Symbole auf den Karten können Ängste verstärken, wenn man psychisch labil ist. Das sollte auch ein Berater wissen. Und: Tarotkarten können keine Therapie ersetzen.
Manipulation und Angstmache
Leider werden Tarotkarten manchmal von unseriösen oder ungeübten Beratern oder auch Laien eingesetzt, um mit Aussagen wie „Diese Karte zeigt, dass etwas Schlimmes passiert“. Das ist ethisch fragwürdig und hat oft mit Machtstreben zu tun. Eine gute Beratung stärkt, ermutigt und appelliert an die Eigenverantwortung.
Zusammenfassung
Tarotkarten sind kein magisches Werkzeug, das vorhersagt, was passieren wird. Sie helfen herauszufinden, was im Inneren eines Menschen vor sich geht, was ihn gerade beschäftigt. Sie sprechen in Bildern, Symbolen und Geschichten – es ist die Bildersprache der Seele oder des Unbewussten. Sie zeigen Tendenzen. Somit ist Tarot ein Instrument, um sich selbst besser kennenzulernen. Es ist kein festgelegter Fahrplan, sondern ein Kompass.
Sabine Lechleuthner

