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Sabine Lechleuthner

Die 7 der Münzen

Die 7 der Münzen zählt zu den drei Zeitkarten des Tarot. Während „Der Gehängte“ und die „4 der Schwerter“ eine zeitliche Verzögerung bedeuten, oft auch aufgrund negativer Umstände, weist die 7 der Münzen auf einen Warteaspekt mit positivem Ausgang hin.

Wir sehen einen Gärtner neben einem Münzstrauch in abwartender Haltung. So lautet die Grundbedeutung dieser Karte: Wer Geduld hat, einer Entwicklung Zeit gibt, kann mit einem positiven Ergebnis rechnen.

Wenn Sie diese Karte ziehen, sind Sie aufgefordert, sich in Geduld zu üben, abzuwarten, nichts zu überstürzen – keine leichte Aufgabe in unserer schnelllebigen, hektischen Zeit. Man könnte sich ausgebremst fühlen. Dabei verbirgt sich dahinter ein Naturgesetz: Der Bauer bestellt das Feld. Danach muss er der Pflanze Zeit geben zu wachsen. Es bleibt ihm nichts anderes, als abzuwarten. Er hat sein Bestes gegeben, den Rest besorgt die Natur.

 

Die 7 der Münzen erzählt uns aber auch etwas über die Art des Wartens, die nötig ist, um zum Erfolg zu kommen: Der Gärtner ist auf einen Stab gestützt, seine Hände sind nicht bei der Arbeit, sondern ruhen auf dem Stab. Hier dient der Stab nicht wie üblich als Hilfsmittel zur besseren Fortbewegung (Wanderstab), sondern „unterstützt“ uns beim Abwarten. Nicht nur die Natur braucht ihre Zeit. Auch wir müssen nach der Arbeit Kraft schöpfen, auch um die Erntearbeit leisten zu können.
Strauch und Gärtner weisen in dieselbe Richtung, wobei der Gärtner etwas größer ist als der Strauch. Der Blick des Gärtners ist auf den Strauch gerichtet. Er hat das Wachstum und die Reifung im Blick. All dies vermittelt uns den Eindruck, als wache der Gärtner über die Pflanze, obwohl er scheinbar nichts tut. Hier greift im besten Sinne das chinesische Wu-Wei: Handeln im Nichthandeln.
Auch die Haltung der Füße ist interessant: Der rechte Fuß steht so im Strauch, dass er durchaus ein Teil der Pflanze sein könnte. Das unterstreicht die Farbe des Schuhs, die anders als die Farbe des zweiten Schuhs, identisch mit dem Braun der Pflanze ist und bedeuten kann, dass sich der Gärtner so mit seiner Arbeit identifiziert, dass er gleichsam mit ihr verschmilzt. Der linke Fuß steht auf Wasser, dem Symbol für Fruchtbarkeit. So stellt der Gärtner eine Verbindung zwischen Erde und Wasser her, die für Wachstum unerlässlich ist. Zwischen seinen beiden Füßen liegt eine Frucht (Münze). Es kann gut sein, dass der Mann sie vom Strauch genommen hat, um ihren Reifezustand zu prüfen und zu dem Schluss gekommen ist, dass es noch etwas dauert. Die Münze an dieser Stelle fokussiert noch einmal den gesamten Wachstumsprozess mit allen notwendigen „Zutaten“.

Zu diesen Prozessen gehört auch eine gewisse Demut, die uns sagt, dass nicht alles machbar ist und von uns abhängt. Wir können unser Bestes tun, aber wir sind letztlich immer auch von unberechenbaren Faktoren abhängig. Schicksalhafte Umstände, auf die wir keinen Einfluss haben, mögen unsere Ernte - auf welchem Gebiet auch immer - gefährden. Wir können dann nur warten und vertrauen, dass sich alles zum Guten wendet. Die Karte 7 der Münzen verspricht uns im Allgemeinen einen positiven Ausgang unserer Projekte.

Verwandt mit der 7 der Münzen ist die Karte Trumpf III „Die Herrscherin“. Auf ihr zeigt sich der fruchtbare Boden, die Kreativität, Blüte und Fülle – Mutter Natur in ihrer ganzen Pracht. Mit ihr funktioniert alles wie von selbst. Hier muss nichts gelernt oder beachtet werden – die Herrscherin steht für die natürlichen Zyklen, Wachstumsprozesse und das Leben schlechthin.
Am besten zeigt sich das am Beispiel „Schwangerschaft“, das beide Karten zum Thema haben können – sei es im direkten wie im übertragenen Sinn. Hier wird etwas „ausgebrütet“, ein Kind oder eine Idee, ein neues Projekt ... All das braucht seine Zeit.

Durch die Zahl 7 hat unsere Karte auch Bezug zu der Trumpfkarte VII, „Der Wagen“. Hier gibt es einen scheinbaren Gegensatz. Während die 7 der Münzen Geduld verlangt, steht der Wagen für den sofortigen Aufbruch. Doch durch Ungeduld kann die Reise mit dem Wagen scheitern. Der jugendliche Wagenlenker muss vorsichtig sein, darf nicht übermütig werden, sonst gehen ihm im wahrsten Sinne die Pferde durch. Es gilt, verschiedene Kräfte, symbolisiert durch die beiden Sphingen vor dem Wagen, in Einklang zu bringen, damit die Reise gelingt. Nicht gleich alles sofort und zu schnell wollen – das sagt uns auch die 7 der Münzen.


Die ganze Komposition auf der 7 der Münzen zeigt uns das tiefe Wechselspiel zwischen Mensch und Natur. Hier ist es noch ungestört. Deshalb weist die Karte auf ein gutes Ergebnis. Nur da, wo der Mensch in unguter Weise eingreift, den natürlichen Rhythmus stört, die Naturgesetze missachtet, der Natur zu schnell zu viel abverlangt, ist dieses Verhältnis gestört.

Dieses „Gesetz“ lässt sich auf alle Belange menschlichen Lebens übertragen. Sollten Sie
die 7 der Münzen ziehen, gilt Folgendes: Wenn Sie Ihren Beitrag zum Gelingen geleistet haben, nehmen Sie sich zurück, warten Sie in aller Ruhe ab. Geben Sie Ihrem Projekt die Zeit, die es braucht, um zu reifen – dann ist Ihnen der Erfolg sicher.